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Armut begreifen

14 Nov, 2019 :: Belém, Brazil


Mitarbeiter der Logos Hope nahmen an einer realistischen Armutssimulation teil. Sie wurden in „Familien“ eingeteilt, die eine Mutter und einen Vater auswählten, die sie führten. Ihre „Vermieter“ zeigten ihnen, wie man aus Zeitungspapier und Klebstoff Taschen bastelt, die sie verkaufen mussten, damit sie Geld für die Miete und Essen hatten. Ihr Ziel war es, so viel Geld zu verdienen, dass sie eines der Kinder aus ihrer Familie zur Schule schicken konnten.

Um die Erfahrung realistischer zu machen, war der Raum voller Straßen, Fahrzeuge und den Lärm vieler Menschen. Die meisten der Familienmitglieder von Maddy Widrick aus den USA machten trotz aller widrigen Umstände fast die ganze Zeit über Papiertaschen. „Prostituierte und Männer aus der Bar kamen und wollten meine Kinder überzeugen, dass sie bei ihnen mitarbeiten“, erklärte Maddy, die Mutter in ihrer Familie. „Ich ließ meine „Kinder“ nicht mit ihnen reden.“

Weil sie ihre Miete nicht bezahlen konnten, warf der Vermieter sie aus der Wohnung und die Familie endete in einem Slum. „Es war völlig chaotisch“, erinnert sich Maddy. „Auch andere Familien wurden aus der Wohnung geworfen. Manche rannten herum und klauten, was nicht niet- und nagelfest war. Eine halbe Stunde lang versuchte ich mich vor der Polizei zu verstecken. Ich war fix und fertig.“

Wie andere beschloss auch sie, eine ihrer Nieren zu verkaufen. Maddy erkannte, dass sie von einem Leben nach den Regeln in die „absolute Verwahrlosung“ abgesunken war. Schließlich stahl sie Geld, damit sie eines ihrer Kinder zur Schule schicken konnte.

Mariette Nel aus Südafrika spielte eine der Prostituierten in der Simulation. „Ich musste ein Dutzend Mädchen den Boden sauber machen lassen. Sobald er sauber war, warf ich Zeitungsschipsel überall herum und ließ sie wieder putzen. Es war zwar nur eine Simulation, aber da war echte Enttäuschung in den Augen der Mädchen.“

Durch dieses Erlebnis verstand sie: „Auch die Leute, die das System durchsetzen sind im Grunde Opfer. Sie sind Produkte des Systems. Wir sollten sie erreichen, denn nur so können die Ketten durchbrochen werden. Kein Kind hat den Berufswunsch Menschenhändler.“

Maddy meint: „Ich hatte nie begriffen, wie schwer das ist, aus dem System auszubrechen. Ein Kind zur Schule schicken kostete viermal so viel wie die Miete. Wie kann man das überhaupt schaffen? Das ist so als wolle man die Leute in der Armut halten.“

Die Schiffsmitarbeiter schlossen daraus, dass Kinder Bildung brauchen, damit sie eine Chance haben und aus der Armut entkommen können. Die Mannschaft kommt aus ganz unterschiedlichen Erdteilen und Lebensstandards, doch die Simulation verstärkte bei allen das Mitgefühl mit Menschen, die unter Armut leiden.